AKITA UND IHRE ART ZU KOMMUNIZIEREN

(eine Anregung zur Diskussion)

 

Akustische Signale:

 

Können Hunde nur kläffen oder sind sie in der Lage, sich untereinander zu verständigen?

 

Mit ihrer Stimme erzeugen sie eine Reihe von Lauten, mit denen sie miteinander kommunizieren können; es sind bisher rund vierzig verschiedenartige "Geräusche" bekannt. So versteht unser Welpe Daiunme sehr wohl, wenn Rakuna einen Warnlaut ausstösst und zum Zaun rennt - die Kleine verschwindet dann wie der Blitz im Haus -, ob ein Knurren der Alten ein Laut des Behagens ist oder eine Warnung "Bis hierher und nicht weiter!", ein Bellen ein Signal zum Sammeln ist oder ein Heulen der Kommunikation auf grosse Entfernungen dient.

 

Einige dieser Töne sind auch für aufmerksame Menschen verständlich, nicht alle. Manche stimmliche Artikulation kann ich selbst inzwischen so imitieren, dass meine Hunde mich verstehen, das heisst, wie gewünscht reagieren - na ja, meistens wenigstens.

 

Körpersprache:

 

Noch viel umfangreicher als die Lautsprache sind die Körpersignale, mit denen sich Hunde mitteilen. Ob sie jetzt zum Spielen animieren wollen oder jemand "auffordern", das Grundstück nicht zu betreten, viele dieser Zeichen sind so eindeutig, dass sie auch ein ungeübter Mensch versteht.

 

Turid Ruugas hat das Verdienst, die Körpersprache der Hunde gedeutet zu haben, mit denen sie Konfliktvermeidung betreiben, und nannte diese Gesten Beschwichtigungssignale ( Calming Signals, CS ).

 

Vor einiger Zeit wurde über dieses dieses Thema schon einmal unter Akitahaltern diskutiert und die Überlegung in den Raum gestellt, ob Akita diese Signale denn nicht beherrschten, weil sie sie kaum bei Begegnungen mit fremden Hunden einsetzten? Die Beobachtung trifft nur teilweise zu, die Folgerung ist nach meinem Dafürhalten aber unzutreffend! Akita gehören zu den Hunderassen, die genetisch dem Wolf am nächsten stehen. Warum sollten sie von allen ererbten Verhaltensweisen gerade die sinnvollen Beschwichtigungsstrategien verlernt haben? Wehrhafte Rudeltiere müssen aggressionsabbauende Strategieen innerhalb des Rudels anwenden, nur Einzelgänger können sich aggressives Verhalten leisten. Nach meinem Dafürhalten zeigen unsere Akita noch viel vom wölfischen Verhalten, wo jeder Streit innerhalb des Rudels eine sinnlose Vergeudung von Resourcen wäre. Hierbei sind ihnen die Calming Signals sehr hilfreich.

 

Ob verschiedene Hunderassen auch verschiedene "Sprachen" oder "Dialekte" sprechen? Ich glaube es nicht, aber sicher bin ich mir hier keineswegs. Andererseits habe ich gelesen, dass die verschiedenen Rassen eine unterschiedliche Anzahl von Körpersignalen beherrschten, am meisten natürlich die Wölfe. Da Wolf und Akita sich genetisch noch relativ nahe sind, mag es ja sein, dass die Akita weniger Signale verloren haben und auch noch - wie ihre wilden Verwandten - deren Beachtung mehr Aufmerksamkeit schenken, als stark domestizierte Rassen, so dass die schönen Japaner auch minimale Gesten schon wahrnehmen und deuten können.

 

Es ist schon vorstellbar, dass die verschiedenen Rassen im Zuge der Evolution die ein oder andere Verständigungsgeste verlernt haben, weil diese in der selektiven Zucht zum Jagdhund oder Herdenschutzhund nicht mehr gebraucht wurde. Das erklärte auch die nachgewiesen unterschiedliche Körpersprache von Herdenschutzhunden und einigen Jagdhunderassen.

 

Akita strotzen vor Selbstbewusstsein, gerade die Rüden; ihnen würde es nicht im Traum einfallen, einen potentiellen Gegner unterwürfig beruhigen zu wollen, wozu denn auch aus ihrer Sicht? Sie fühlen sich ohnehin weit überlegen und zeigen das auch deutlich an, wieso den anderen "milde" stimmen? Beruhigende Signale des "Gegners" werden aber huldvoll akzeptiert ( es sei denn, der Hundeführer verrät durch sein eigenes Verhalten Unsicherheit und zeigt dem Hund so, dass er verteidigungsbereit zu sein hat ). Es kann auch zu Missverständnissen führen, wenn sich fremde Hunde ohne Beachtung der CS unseren Akita in durchaus freundlicher Absicht annähern, ohne dabei "korrekt" zu signalisieren, dass sie freundlich gestimmt seien.

 

Akita beherrschen die Calming Signals sehr wohl, passiv und aktiv, wobei zu bemerken ist, dass Hündinnen diese Signale öfter einsetzen als Rüden. Ein zusammenlebendes Akitarudel, bzw. ein Pärchen verhält sich wiederum anders als zwei Einzelhunde. Nach meinem Eindruck sie sind sich selbst genug, akzeptieren bestenfalls rudelfremde Hunde, aber es ist ihnen lieber, die anderen bleiben ein Stück weit entfernt. Einzelhunde suchen wohl eher Kontakt zu anderen Artgenossen. ( Eine allgemeingültige Aussage wage ich aber nicht zu machen, denn die Sozialisierung in der juvenilen Phase hat einen entscheidenden Einfluss auf das spätere Verhalten. )

 

Ich weiss aus eigener Anschauung, dass Akita Calming Signals kennen und anwenden. Ein Akita setzt CS von klein auf ein, aktiv und passiv. Bedingung dafür ist allerdings, dass er mit Menschen zusammenlebt, die ihm ermöglichen, die Signale auch anzuwenden. Wer immer an der kurzen Leine hängt, kann keine Bogen laufen; und wer dafür bestraft wird, dass er seinem wütenden Herrchen nicht sofort gehorcht, sondern erst mal versucht, den missgelaunten Zweibeiner zu beschwichtigen, der wird das irgendwann frustriert bleiben lassen. Deshalb ist es so wichtig, dass auch die Begleitmenschen lernen, die Zeichen zu erkennen und ihren Hunden erlauben, sie zu benutzen und die Signale auch selber anwenden. Wer seinem Hund diese Körpersprache abtrainiert, riskiert, dass dieser sich ohne jede Vorwarnung auf andere stürzt.

 

Schon der Akitawelpe und -junghund geht sehr ruppig und lautstark, aber in eindeutig angezeigter Spielabsicht auf andere Hunde zu, was aber häufig von diesen nicht so verstanden und in den gängigen Hundeschulen oftmals leider weder von den anderen Hundebesitzern, noch, was viel schlimmer ist, vom Leiter der Gruppe erkannt wird. So nimmt oft schon früh das Unheil seinen Lauf und dem Welpen werden weitere Begegnungen mit Artgenossen untersagt. Er verlernt so den Umgang mit anderen Hunden. Dabei wären diese Kontakte so wichtig für seine soziale Entwicklung.

 

Unser Samouraï ist geradezu ein Meister der Kunst der Konfliktbewältigung innerhalb seines Rudels und der Familie. Nach aussen geht er allerdings viel sparsamer mit seinen CS um, aber er wendet sie schon an. Jedoch benötigt man als Halter einige Übung und grosse Aufmerksamkeit, wenn man sie erkennen möchte.

  

Einige Beispiele:

 

Spielen Papa und Tochter oder Opa und Enkel lautstark und wild zusammen, kommt der Rüde sofort, splittet ( stellt sich zwischen die Parteien ), und versucht den "Aggressor" zu "beruhigen", indem er ihn gnadenlos ableckt, pfötelt usw. Ein Fremder dürfte die Tochter oder den Enkel nicht kitzeln o.ä., da würde er nicht mehr nur beruhigen.

 

Als die kleine Daiunme kurz nach ihrer Ankunft beim Spielen mit mir noch am liebsten "Fellbeissen" (Haare, Bart, Kleidung ) spielte und ich ihr das dadurch abgewöhnen wollte ( mit Erfolg! ), dass ich mich auf "alle Viere" begab und sie anknurrte und ( in der Luft ) nach ihr schnappte, wer war sofort da und spielte sein Repertoire an Calming Signals ab? Samouraï!

 

Geht der Rüde spazieren, besucht er gerne die Stallhasen und beschnüffelt sie. Als ich einmal einen schlachten wollte und das zappelnde Kaninchen aus dem Stall holte, musste ich den Hund ins Haus sperren. Er wollte splitten und mich beruhigen, also das "Familienmitglied" Hase schützen. ( Er weigert sich auch standhaft, von unseren Hühnern oder Hasen zu fressen. Gekaufte mag er schon. )

 

Kommt Besuch und die kleine Daiunme ist vor dem Fremden ängstlich und bellt, stellt sich Samouraï sofort zwischen Besucher und Welpe, splittet sie. Bei einem so imposanten Beschützer verliert sich die Angst sehr schnell.

 

Ruft man ihn und er hat den Eindruck, dass man aufgeregt sei, zeigt er sein gesamtes Repertoire: Gähnen, Kopf wegdrehen, betont langsam in grossem Bogen kommen, unterwegs Büsche markieren, Stöckchen bringen und zum Spielen auffordern usw. Lacht man dann und ruft nochmals entspannter, kommt er sofort und freut sich. Manchmal lächelt er dann sogar zufrieden. Er hat sein Ziel erreicht..

 

Vermenschliche ich hier zu sehr? Ich glaube nicht!

 

Nicht nur gegenüber den Menschen zeigt er, wie auch Rakuna, Calming Signals, nein, auch untereinander tun sie es ständig. Wenn z.B. Rakunas Versuche, Daiunme zu erziehen, nach Samouraïs Meinung zu grob sind, splittet er die beiden, fordert eine - oder beide - zum Spiel auf usw. und entschärft so die Situation.

 

Gehen wir zusammen mit anderen Hundehaltern spazieren, akzeptiert er deren Hunde, indem er sie weitgehend ignoriert. Er vermeidet jeden Blickkontakt, sieht quasi durch sie hindurch. Keine unterwürfigen Friedensangebote, das wäre unter seiner Würde, aber gerade so viel Körpersprache, dass er verstanden wird.

 

Als in unserem Ferienhaus fünf kleine Terrier logierten und sich diese beim Anblick unseres Rüden gebärdeten wie die Berseker, drehte er den Kopf weg und ....... legte sich am Zaun schlafen. Deutlicher kann man seine friedliche Absicht kaum zeigen - oder nur seine gelassene Haltung? Wir Menschen sehen das wohl eher als pure Arroganz an, aus seiner Sicht war es ein perfektes Friedensangebot durch Ignorieren.

 

Daiunme, der Welpe, ist geradezu eine Meisterin der Beruhigungssignale. Sie weiss genau, wann die Körpersprache der erwachsenen Hunde es angeraten erscheinen lässt, die Grossen zu beruhigen, ihnen zu signalisieren, ich unterwerfe mich, von mir droht keine Gefahr, bin ganz lieb.

 

Für die "wilden" Artgenossen ist es überlebenswichtig, die Überlegenen milde zu stimmen, unsere Nordischen haben diese Strategie keineswegs vergessen.

 

 

Hundesprache

 

Wie armselig, unfähig, sich mitzuteilen, ist der Mensch, trotz seiner hohen Intelligenz, wenn er seines wichtigsten Mediums- der Sprache- beraubt ist. Und ein Hund? Er hat die außergewöhnlichsten Einfälle, um uns zu verdeutlichen, was er will. Er kann alles ausdrücken was ihn bewegt - nur ist der kluge Mensch meist zu beschränkt, um zu kapieren!

 

(H. Pongraz)