AKITA - GESCHICHTEN

Zementsackl ... Sackl Zement

 

Die bayerische Sprache ist äusserst kraftvoll und reich an starken Worten. Man vermeidet aber, die religiösen Gefühle der Katholiken zu kränken; so sind Flüche verpöhnt, die dies in irgend einer Weise tun könnten. Als Ausweg erfreuen sich Kraftworte wie 'Zementsackl, Sackl Zement' usw. grosser Beliebtheit. Manchmal benutze ich diese Worte, besonders wenn ...

 

Akita sind wundervolle Hunde, aber sie verfügen in aller Regel über einen sehr starken Charakter. Kiyoshi, meist Kiyo genannt, ist in dieser Hinsicht ein sehr typischer Vertreter seiner Rasse. Er versteht alle Grundkommandos, führt sie perfekt aus, ist der Star des Hundeclubs, wenn, ja wenn er gerade Lust hat der Star zu sein. Manchmal hat er aber einfach Lust, ein eigenständig denkendes Wesen zu sein. Dann zeigt er uns, dass er sich völlig unabhängig fühlt, er gebiert sich in einer aufreizenden Weise arrogant und frei von irgendwelchen Zwängen. In solchen Momenten prüft er die Geduld der Halter ins fast schon Unerträgliche.

 

Wieder mal bin ich alleine zu Hause und hüte den Zoo, darunter 7 Akita. Die allmorgendliche Fütterung erfolgt in drei Gruppen. Zuerst kommen die Alten, also Rakuna und Samouraï dran, dann fressen Toshi, Daiunme und Welpi Daiyoko. Alle lassen sich nach einer kurzen Verdauungspause ohne Probleme wieder ins Haus rufen.

 

Zur dritten Runde kommen dann Hime und Kiyo. Es ist schon halb zehn. Ruckzuck sind auch diesmal die Näpfe leer, hat also geschmeckt, toll. Nach einer knappen Stunde rufe ich die beiden zurück; Hime kommt brav ins Haus, lieb und gehorsam wie immer, Kiyo geht auf der Terrasse in Spielhaltung ... ich kenne das, es bedeutet nichts Gutes, denn heute hat er mal wieder keine Lust zu kommen. Hilft Bestechung mit Leckerli? Nein. Kiyo ist satt.

 

Die Idee, die hilft immer, na ja, bis jetzt half sie jedenfalls: Ich gehe mit einer Leine zum Tor; Kiyo rennt begeistert mit, denn Spaziergänge in den Wald hinter dem Haus liebt er ... im Prinzip, denn heute will er ohne Leine mit ... denkste Kiyo! Wenn Du nicht hören willst, gehst Du mit Leine oder gar nicht.

'Gar nicht? In Ordnung, lieber Kiyo, das ist Deine Entscheidung!'

 

Ich hole Daiyoko, unsere Jüngste, nehme sie an die Leine und begebe mich zum Tor. Kiyo saust hocherfreut hinterher, will unbedingt mit, aber an die Leine? Wenn ein Kiyo nicht will, dann will er nicht! Nein! Aus, Kanzlerbasta! Ich beherrsche mich mühsam und spaziere nur mit der Kleinen los. Was hat die denn? Unablässig wittert sie, zieht in eine Richtung, geht nur sehr schlecht Fuss. Was soll das schon wieder? Sie kann doch 'Fuss' gehen. Ach so! Unsere Katze begleitet uns und will auf den Arm. Sorry, das geht jetzt nicht. Wie soll ich das der Katze beibringen? Yoko zieht mächtig, ich bleibe stehen, hilft immer ... half sonst immer. Yoko will zur Katze, die aufreizend auf dem Weg vor uns hin und her schnürt.

 

Doch der schlaue Welpe weiss einen Ausweg, er rennt blitzschnell rückwärts und ist - schwupp - aus dem Halsband geschlüpft. Ich halte die leere Leine verdaddert in der Hand. Den Wettlauf zwischen Katze und Welpe gewinnt die Katze und schlüpft durch ein Loch in der Bretterwand - was sollte das denn? Im Hause vertragen sie sich doch. Yoko ist so perplex über die verschwundene Katze, dass sie wieder zu mir kommt und sich ohne Probleme das Halsband überlegen lässt. Mir reicht's, gehe heim! Wo ist Kiyo?

 

Egal, zuerst räume ich Yoko auf, dann will ich Kiyo suchen gehen. Kaum bin ich wieder draussen, sitzt Kiyo auf der Terrasse und grinst mich an. Ruhig bleiben, Herrchen! Auf Distanz erhält er die Kommandos, Sitz, Platz, Steh! Klappt perfekt, aber näher als einen Meter lässt er mich nicht heran ... sch... Köter!

 

Heureka! Das könnte klappen. Ich setze mich auf die Treppe und locke den Rüden. Er kommt begeistert, schmust, lässt sich knuddeln, aber in die Nähe des Halsbandes darf meine Hand nicht. Wusch! Ich war schneller! Verdaddert will er flüchten, aber ich halte ihn fest in den Armen und knuddle ihn ohne Ende. Er lässt es sich gefallen, geniesst es und zeigt es mir auch, indem er meine Haut mit Lust ableckt.

 

Problemlos geht er jetzt mit nach drinnen, um halb zwei Uhr! Seinen Kumpels platzt fast die Blase, als sie endlich raus dürfen. Ich will mir einen Tee machen, habe ich mir verdient!

 

Aber erst muss ich noch die zerfetzte Zeitung aufräumen, die Yoko aus Frust über ihre Niederlage zerfetzt hat.

 

... Zementsackl , Sackl Zement