AKITA - GESCHICHTEN

Skunks in Frankreich

 

Der Skunk, Mephitis mephitis, im Volksmund auch Stinktier genannt, lebt fast überall in Nordamerika. Obwohl wunderschön, wird er wegen seines eigenwilligen Parfums selten als Kuscheltier gehalten.

 

Eine Unterart dieser Spezies hat sich auch auf einer Pazifikinsel namens Japan entwickelt. Sie sind noch schöner als ihre nordamerikanischen Verwandten und erfreuen sich als Haustiere zunehmender Beliebtheit, wenn sie auch wegen einer sehr unangenehmen Eigenschaft manchmal äusserst schwer erträglich sind.

 

Zwei solche Exemplare leben bei uns, die genetische Verwandtschaft zu Mephitis mephitis ist heftig umstritten, die olfaktorische nicht immer.

 

Rakuna und Samouraï sind wohlerzogene Akita. Sie haben gelernt, dass Essbares auf der Arbeitsplatte in der Küche Menschenfutter ist, fast immer jedenfalls. Nur manchmal, wenn Herrchen gerade eine frische Pastete für die Hunde gebacken hat, dann steht diese auch an jenem verlockenden Ort. Nun sollte aber Julia, die jüngste Tochter der Familie, endlich nach drei langen Monaten wieder nach Hause kommen. Die Familie würde mitten in der Nacht losfahren, um sie am Flughafen abzuholen. Samouraï und Rakuna spürten die Aufbruchsstimmung und wollten den Kofferraum des Kombis kaum mehr verlassen. Ach, wären sie doch drin geblieben.

 

Frauchen hat ein leckeres, knuspriges Vollkornbrot gebacken, mit Nüssen, Kürbis- und Sonnenblumenkernen, so wie es Julia besonders liebt. Nun duftet frisch gebackenes Brot gar zu verführerisch, nicht nur für die Menschen, und obendrein sieht es genau so aus wie die Pastete für die Hunde. Ob Herrchen sich diesmal noch mehr Mühe gegeben hat um für die lieben Hunde etwas besonders Leckeres zu backen? Der Riese Samouraï, der mühelos auf die Arbeitsplatte sehen kann, muss sich so etwas wohl gedacht haben und stibitzt unbemerkt das grosse Gebäck. Aber drei Pfund frisches Brot verputzt nicht mal Gargantua* alleine. Frauchen sieht gerade noch Rakuna, wie sie die wenigen Reste verstecken will, die auch sie nicht mehr geschafft hat, sie, die sonst immer hungrige Hündin. Der Entsetzensschrei ruft eilig den Ehemann herbei. Der ist sprachlos und wütend. Wo sollen wir heute, an einem Feiertag, noch ein anderes Brot herbekommen? In wenigen Stunden fahren wir ab? Keine Zeit mehr ein frisches zu backen. Oh, Ihr japanischen ....................... ( Zensur ).

 

Nachts um ein Uhr Abfahrt nach Paris. Nicht weit von zu Hause durchzieht ein penetranter, säuerlich fauliger Geruch das Auto. Herrchen ist schrecklich empört, weil Frauchen ihn so seltsam ansieht. Muss wohl ein Bauer gerade frische Schweinegülle ausbringen, aber jetzt, mitten in der Nacht? Wenig später ist Frauchen beleidigt, weil Herrchen sie jetzt so komisch ankuckt. Nicht streiten, Ihr Menschen, denkt nach, woher die üble Luft stammen könnte. Einen Käse nach dem letzten Einkauf im Auto vergessen? Falsch! Was dann?

 

Wieder zieht der Hauch der Verwesung durch das Auto. Die Erleuchtung naht, die Hunde! Sind sie krank? Mein Gott, wir haben sechzehn Stunden im Auto vor uns! Die armen Akitas, was fehlt ihnen bloss? Vertragen sie wohl die drei Pfund frisches Vollkornbrot nicht? Hoffentlich haben sie keine Schmerzen!

 

Der wahre Tierfreund denkt in solchen Situationen natürlich nicht an sich, sondern an die armen Prachtcaniden, olfaktorische Verwandte von Mephitis mephitis, - andererseits in der kühlen Nacht, bei nebligem Wetter ständig mit offenem Fenster fahren..... Stinktiere, elendige!

 

 

*Gargantua: Literarische Figur von Rabelais ( 1494-1553). Der Riese Gargantua war wegen seines gewaltigen Appetits berüchtigt.