AKITA - GESCHICHTEN

Sieben Mal Akita

Wie ist der Charakter eines Akita?

 

Diese Frage wird einem Züchter oft gestellt; meist ist man versucht zu fragen: Welches Akita?

 

Natürlich gibt es Gemeinsamkeiten, z.B. dass sie andere Hunde gleichen Geschlechts nicht mögen, dass sie auf die Einhaltung einer Individualdistanz bestehen usw. Aber, genau so wenig, wie der Charakter 'des' Müncheners, 'des' Hamburgers, 'des' Berliners usw. existiert - welcher Münchener, welcher Hamburger, welcher Berliner? - so gibt es auch keinen 'Standardcharakter' bei den Akita.

 

Unsere sieben Hunde sind grundverschieden vom Charakter her, selbst die Wurfbrüder Katsutoshi und Kiyoshi verhalten sich in verschiedenen Situationen völlig unterschiedlich.

 

Um die Bandbreite der Variationen aufzuzeigen, beschreibe ich am besten alle Hunde einzeln.

 

Rakuna, unser erster Akita. Sie ist so sehr auf Menschen fixiert, dass sie es nicht verstehen kann, wenn bei einem Spaziergang jemand an ihr vorüber geht, ohne sie zu streicheln oder auch nur zu beachten. Die Passanten sieht sie erwartungsvoll an und wedelt so heftig mit der Rute, dass der ganze Hund regelrecht 'wackelt'. Andere Hunde akzeptiert sie, so lange sie ihre Individualdistanz einhalten und sie nicht bedrohen. Katzen und andere Tiere betrachtet sie als Beute. Ansonsten ist sie von dem ruhigen Temperament, welches man Akita allgemein nachsagt - nicht immer zu Recht. Ihr Gehorsam ist vorbildlich, sie leistet auch Erstaunliches im Hundesport.

 

Samouraï, Rakunas Halbbruder, liebt seine Familie über alles. Ist jemand von uns im Garten, wird er auf Schritt und Tritt begleitet und bewacht. Gegenüber der Familie ist der Rüde verschmust, wirft sich auf den Rücken und liebt jede Art der Aufmerksamkeit. Bei Fremden, besonders bei Frauen, aber testet er, ob er ihnen imponieren kann. Sind wir dabei und sie zeigen keine Angst, akzeptiert er sie ohne Probleme. Samouraï mag keine fremden Hunde, will ihnen immer beweisen, wer der Herr ist, hat aber noch nie einen anderen Hund böse verletzt. Typ: Macho, aber keinesfalls ein bösartiger Hund. Sein Gehorsam ist gut, es bedarf aber manchmal besonderer Tricks, damit er auch sofort gehorcht. Ist er in weiter Entfernung und für uns nicht sichtbar, kommt er auf Befehl schon, aber nicht sofort, bellt man hingegen - tiefes, sonores Grollen - oder heult wie ein einsamer Wolf, dann kommt er in Höchstgeschindigkeit herbei. Gegenüber den Welpen erweist er sich als ein geduldiger Ziehvater, der ihnen aber schon ihre Grenzen aufzeigt, wenn es denn nötig ist.

 

Daiunme, unsere freundliche Zuchthündin, ist 'untypisch' (?) temperamentvoll. Sie liebt Renn- und Raufspiele mit ihren 'Kindern', denen sie eine äusserst liebevolle und geduldige Mutter ist. Anderen Hunden und unbekannten Menschen gegenüber ist sie eher zurückhaltend, will lieber ihre Ruhe. Sie ist anschmiegsam und zärtlich gegenüber der Familie, liebt es, in unserer Nähe zu sein und geniesst unsere Aufmerksamkeit. Befehle befolgt sie prompt und gerne, das Lob dafür geniesst sie sichtlich. Bei Gehorsamkeitsprüfungen erzielt sie erfreuliche Ergebnisse.

 

 

 

Katsutoshi ist, was den Charakter anbelangt, der Traumakita schlechthin. Vorbildlich im Gehorsam, befolgt Befehle sofort, will immer beim Menschen sein, lässt sich sogar im Walde problemlos von einer Fährte abrufen, verhält sich gegenüber anderen Hunden absolut verträglich - solange ihn keiner angreift, dann weiss er sich sehr wohl zu wehren -, ruht in sich, zeigt die Gelassenheit und innere Ruhe und Selbstsicherheit, die das Zuchtziel jedes Züchters sein sollte. Er liebt es, wenn Herrchen ein Stöckchen wirft und er es bringen darf, fordert 'seine' Menschen und seine Rudelmitglieder auch gerne zu Zerrspielen usw. auf. Die Grundbefehle musste man das Kraftpaket nicht lehren, er wusste sofort, was man von ihm wollte und führt sie auch vorbildlich aus.

 

Kiyoshi, ein Temperamentsbündel wie seine Mama. Er reagiert hochsensibel, braucht einerseits eine einfühlsame, konsequente Hand, andererseits auch die Geborgenheit der Gruppe, der Familie. Er gehorcht gut, solange er im Ton des Befehlenden keine Drohung heraushört. Mit unseren Welpen geht er so zärtlich und geduldig um, wie man es sich als Halter nur wünschen kann. Kiyo ist hochintelligent, öffnet alle Türen, ob sie mit einem Griff, einem Drehknopf oder einem Riegel verschlossen sind, spielt dabei keine Rolle. Er weiss auch seine Halter zu manipulieren und trotz seines 'eigentlich' guten Gehorsams bewahrt er sich ein Stück Individualität. Sein Vertrauen verschenkt der verschmuste Akita nicht, man muss es sich stets neu verdienen.

 

 

Tsubaki Hime ist ein zärtlicher, anhänglicher, aber auch sehr selbstbewusster Akita, der seine eigenen Interessen gegenüber dem Rudel schon als Junghund sehr wohl durchzusetzen weiss. Ihre künftigen Ehemänner, Toshi und Kiyo, erzieht sie schon jetzt. Im Welpenkurs zeigt sie sich anstellig, begreift rasch und akzeptiert andere Hunde ohne Probleme, zeigt ihnen aber stets, wen sie für den Chef im Ring hält - sich selbst. Wie gut, dass Samouraï ab und an 'erklärt', was Respekt volles Verhalten gegenüber erwachsenen Hunden bedeutet.

 

Unser Nesthäkchen Daiyoko ist ein Temperamentsbündel ohnegleichen, pfiffig ohne Ende, neugierig, selbstsicher, verspielt, verschmust. Sie begreift unglaublich rasch, wenn sie zu begreifen geruht, löst Denksportaufgaben wie: Öffnen von Türen aller Art, Auffinden von Essbarem oder Spielzeug an für andere Hunde absolut unzugänglichen Stellen usw. sehr, sehr rasch. Mit anderen Hunden kommt sie prächtig klar, testet aber gerne, wer der Chef im Ring ist, unterwirft sich, wenn nötig, macht aber auch klar, dass sie das Sagen hat, wenn sie fühlt dem wäre so. Dies alles geschieht blitzschnell ohne jedwelchen Kampf. Es ist unglaublich schwierig, sich nicht von dem Charme der Kleinen um den Finger wickeln zu lassen und sie konsequent zu erziehen. Dies ist allerdings Frauchens Aufgabe, denn Herrchen ist dem geballten weiblichen Charme des bildhübschen Akitamädchens hilflos ausgeliefert.