AKITA - GESCHICHTEN

Räuber in Gueyte

 

Ich bin's wieder, Samourai. Herrchen schreibt gerne Geschichten über uns, manchmal kommen wir dabei wirklich nicht gut weg. Bevor er die folgende Geschichte selber schreibt, berichte ich sie lieber.

 

Die älteste Tochter der Alphas war zu Besuch, mit ihrem Mann und ihren beiden Hunden. Sie sind ja ganz nett, ihre Hunde, aber, kann ein Akita andere Hunde auf seinem Grundstück dulden? Natürlich nicht! Sie blieben im Garten vom Gästehaus, da stören sie mich wenig, so lange sie klug genug sind, nicht zu nahe am Zaun zu kläffen. Manchmal tun sie mir richtig leid, sie müssen Tütenfutter fressen, Tütenfutter für einen Hund! Immer, wenn Herrchen ihnen ein Stück Fleisch oder einen Knochen geben will, schreit seine Tochter auf, das Frauchen der Schlappohren. Rohes Fleisch sei ungesund für einen Hund. So ein Unsinn, essen Wölfe vielleicht bei Burger King?

 

Unser Essen ist eindeutig besser, abwechselnd verschiedene Pasteten zum Frühstück, mit leckeren Saucen, abends Fleisch und Knochen. Im Prinzip sind wir ja zufrieden, wenn es da nicht ständig in der Küche so gut riechen würde. Aber Herrchen versteht da überhaupt keinen Spaß, wir kriegen unser Hähnchen nie in Rotwein gedünstet, nie eine Lammkeule in Roquefort-Kruste. Dabei riecht das so gut, die reinste Tierquälerei ist das. Wenn nicht ab und zu die Enkel da wären und fürchterlich kleckerten, wüßten Rakuna und ich gar nicht, daß das Menschenfutter noch besser schmeckt als es riecht - na ja, sehen wir mal von dem Gemüse und dem Salat ab.

 

Heute duftete es mal wieder verlockend, wie immer, wenn die Familie gemeinsam ißt. Frauchen hat eine Roulade gebacken, ich liebe Gebackenes, aber außer den Bröseln von den Enkeln kriege ich nie was ab. Dann standen da noch Pizzas, eine türkische mit Hackfleisch, noch eine türkische mit Schafskäse - Menschen mögen Käse, ich nicht - und eine mit Salami und Schinken. Sie waren noch nicht gebacken, Herrchen hätte sie uns ruhig geben können. Rohe Kost dürfen wir ja essen. Eine große Platte mit Salami und Schinken war auch noch da, auch alles eßbar.

 

Herrchen ist so mißtrauisch; bevor er mit den anderen zum Apéritif nach draussen ging, schloß er alle Küchentüren und schickte uns in den Garten. Das war nicht weiter schlimm, ich kann ja Türen öffnen. Ich habe mir die Roulade geholt, Rakuna, die Liebe, Gehorsame würde das nie tun. Wir dürfen ja nur Rohes essen, also hat sie ihre Vorderpfoten auf die Anrichte gestellt und die Hackfleischpizza gefressen, roh! Zu viel Süßes ist ja nicht gesund, deshalb habe ich die halbe Roulade im Gebüsch versteckt und bin zurück in die Küche. Ich sollte wohl auch besser Rohes essen, also habe ich die Salami-Schinken-Platte leergeräumt.

 

In dem Augenblick kommt Julia in die Küche. Warum lacht die so laut? Sei doch still, sonst kommt Herrchen! Prompt will der wissen, warum Julia lacht. Sie schreit zurück in den Garten und der Boss kommt. Mann, ist der sauer! Ich nehme noch schnell die restliche Wurst und verschwinde in den Garten, Rakuna hinterher. Julia lacht noch immer, wenigstens sie versteht uns. Da höre ich, wie Herrchen Frauchen erzählt, daß Rakuna eine Pizza für vier Personen gefressen hat und ich die ganze Roulade und den Vorspeisenteller. Die Menschen sind wütend und rufen uns zu: "Samourai, Rakuna. Morgen ist Fastentag!" Wie gut, daß ich noch die halbe Roulade versteckt habe. Etwas Vorrat für schlechte Tage braucht der Akita.