AKITA - GESCHICHTEN

Meiner tut das nicht

 

Zu einem richtigen Weihnachtsessen im Perigord gehören Austern und Hummer. Vor dem Heiligen Abend reicht dem Fischhändler der Platz in seinem Laden nicht mehr aus, er baut die vielen Kisten mit frischen Austern, lebenden Hummern und Flusskrebsen sowie anderen Köstlichkeiten vor seinem Laden in der ohnehin schon engen Gasse auf. Man prüft die Ware, bedient sich selber und bezahlt. Es macht Spass, in dieser Zeit in der Altstadt von Bergerac zu bummeln, hier dies zu riechen, da das zu probieren, dort jenes zu kaufen, ein Fest für die Sinne! Perigordiner sind Geniesser, sie lieben nicht nur gutes Essen, es ist ihnen genauso wichtig, darüber zu diskutieren.

 

 

Rakuna ist ein lieber und ausgeglichener Hund, man kann sie ohne weiteres zu einem Einkaufsbummel auf den Markt mitnehmen, kein Problem.

 

Die Gasse vor dem Fischhändler ist eng, durch die vielen Kisten sogar sehr eng. Ausgerechnet hier kommt uns eine Frau mit einem kleinen, wild kläffenden, geifernden und an der Leine zerrenden Pudelmopsdackel entgegen. "Au pied!" ( Bei Fuss ) und Rakuna sieht mich mit ihren sanften, braunen Augen geduldig an und läuft ruhig weiter. Der kleine Kläffer wird von seinem Frauchen weitergezerrt, der Akita ignoriert ihn einfach, unter seiner Würde!

 

Als der Kleine endlich weg ist, habe ich Zeit, die Austern zu prüfen; da sehe ich einen streunenden Epagneul Breton ( frz. Jagdhund ), der flott auf uns zukommt. Rakuna bemerkt ihn auch, merkt aber, dass der sich für sie überhaupt nicht interessiert und bleibt gelassen sitzen. Der Streuner schnüffelt an den Kisten, hebt das Bein und ..., na ja, die Kisten sind wasserdicht und die Hummer werden ja gekocht, bevor man sie isst.

 

Die Hummer, sie duften so appetitlich, zu verlockend für den Epagneul und für Rakuna. "Rakuna, nein!", sie sieht mich verständnislos an, Blick "Herrchen, bist Du krank?", gehorcht aber und lässt die Hummer in Ruhe. Auch der Jagdhund findet wohl die Edelkrebse sehr verlockend; der Verkäufer bemerkt es aber und verscheucht ihn energisch, nicht energisch genug, denn der Streuner pirscht sofort wieder zurück. Diesmal schnüffelt er intensiv an den Flusskrebsen. Ein jammerndes, lautes Aufheulen - ich lasse vor Schreck die Austern fallen -, den Hummern hat man die Scheren zusammengetaped, den Krebsen nicht. Einer hielt sich an der empfindlichen Nase des hungrigen Hundes fest; der jault und schüttelt sich vor Schmerz, bis der Krebs in hohem Bogen abfällt, und flüchtet dann in Panik, gefolgt von dem Gelächter der Passanten.

 

Ich bin mächtig stolz auf meine Rakuna, sie würde niemals klauen, zumindest nicht, wenn ich dabei bin. Schnell bezahle ich meine Austern und gehe weiter. Rakuna lässt sich nur widerwillig mitziehen; ich höre und sehe gerade noch, wie sie etwas Knuspriges kaut und gierig verschlingt. Der schlaue Hund hat sich den Krebs geholt, den der ungeschickte Vierbeiner abgeschüttelt hat.

 

Schlauer Akita!