AKITA - GESCHICHTEN

Ich hab' Euch so vermisst

 

Rakunas Hitze ist vorüber, ihre Laune katastrophal schlecht. Der arme Samouraï hat schwer zu leiden. Kaum kommt er in ihre Nähe, da kriegt er schon eines auf die Mütze. Seine zärtlichen, liebevollen Annäherungen werden nicht mehr gewünscht, nicht einmal mehr geduldet, ja sogar bestraft! Armer Kerl! Tonton Sami schmachtet sichtlich, hat gar keine Zeit und schon gar keine Geduld, sich um seine kleine Ziehtochter Daiunme zu kümmern. Daidai versteht die Welt nicht mehr.

 

Wir halten die Grossen und den Welpen ein wenig auf Distanz, damit er nicht dazwischen gerät, wenn Rakuna ihrem Gemahl - auf Akitaart unmissverständlich und kompromisslos - mitteilt, dass sie wieder ihre Ruhe vor den Männern will. Deshalb schläft der Welpe vorübergehend nicht im selben Zimmer wie die Grossen.

 

 

Daidai fühlt sich einsam. Jeden Tag in aller Frühe bejammert sie ihre Einsamkeit und ihr mitleidiges Frauchen steht auf - sie ist schliesslich gut dressiert-, kümmert sich um die Kleine und lässt sie raus.

 

Gestern Abend hatten wir Besuch. Es wurde recht spät, wir schlemmten bis weit nach Mitternacht. Vor dem Schlafengehen liessen wir die Hunde nochmals in den Garten und hofften inständig, am nächsten Morgen ausschlafen zu können.

 

Es wird langsam hell. Daiunme jammert, von wegen ausschlafen! Ich stehe auf und, bevor ich nach unten gehe, besuche ich noch schnell ein stilles Örtchen. Da höre ich leises Rumoren; ah, meine Frau steht auch auf, sieht nach dem Hundchen, gut. Gepolter auf der Treppe, ah, sie geht schon runter, ich kann wieder schlafen gehen, sehr gut.

 

Ich verlasse das Örtchen und will mich, Hundchen ist ja bestens versorgt, wieder auf's Ohr legen. Gerade sehe ich noch, wie der süsseste aller Welpen auf mein Bett springt - die überschäumende, begeisterte Freude über das wiedergefundene, aber noch schlafende Frauchen ist ihm am ganzen Körper anzusehen - und sich anschickt ......................in mein Bett zu plätschern.

 

"Nein, Daiunme!" Braves Hundchen stoppt sofort, springt herunter und pillert hocherfreut auf den Teppich, noch mehr begeistert, dass es mich auch noch gefunden hat. Frauchen ist jetzt wach. Endlich hat Welpi Zeit, seinem Überschwang Ausdruck zu geben. Die Kleine springt hoch vor Aufregung, steht auf den Hinterbeinen, legt die Ohren flach an den Kopf, leckt Hände und Kinn ihrer Menschen innig ab, voller Glückseligkeit, dass ihre Einsamkeit ein Ende hat.

 

Kann man bei so einer überschäumenden Begeisterung dem kleinen Hundchen böse sein? Wir können es nicht! Schliesslich ist der Welpe gewohnt, dass er spätestens um halb acht Gassi gehen darf. Wir waren rücksichtslos zu ihm, er konnte gar nicht anders, arme Daiunme! Sie wird getröstet, nicht ich, wo ich doch noch weiterschlafen wollte - aber im feuchten Bett?

 

Das einzigste, was mich ernsthaft ärgerte, war, dass ich meiner holden Gattin erklären musste, dass der nasse Fleck auf meinem Laken wirklich von meinem Hund stammte.

 

Der war's, jawohl! Und noch heute verstärke ich das Treppengitter!