AKITA - GESCHICHTEN

Herrchen, so geht das nicht

 

Vor einiger Zeit hat mich ein Buch von Elizabeth Marshall Thomas äusserst fasziniert: Hundegesellschaft. In diesem Buch beschrieb sie das Verhalten eines wundervollen, klugen Mischlings, der liebend gerne Eis freundschaftlich mit dem Ehemann der Autorin teilte. Zuerst biss der Gatte ein wenig ab, dann der Hund ein Stückchen, wieder der Gatte, der Hund usw. Diese Geschichte war für mich zwar anrührend, aber auch ziemlich unglaubwürdig, bis folgendes geschah:

 

Gestern abend ging ich in die Küche und wusch blaue Muscattrauben, die duften besonders aromatisch, und begann sie sogleich zu verspeisen. Spät erst bemerkte ich Rakuna, die neben mir stand und mich enttäuscht und vorwurfsvoll anblickte, fast alle Trauben waren schon weg.

 

"Rakuna, sitz!", das übliche Ritual. Die Hündin setzt sich blitzschnell ab, vor Vorfreude sabbert sie schon, und bekommt die Belohnung, eine süsse Beere. Es waren ja nicht mehr viele da, deswegen sollte sie den Rest bekommen. Doch, was soll das denn? Bei der zweiten Traube dreht sie den Kopf zur Seite, zieht ihn zurück und blickte zu Boden. Was ist los, du magst doch Trauben? Ist sie nicht gut? Ich esse sie selber, köstlich, und gebe ihr eine andere, diese wird wieder genüsslich verspeist, dann reiche ich gleich noch eine. Erneute Verweigerung, ein vorwurfsvoller Blick: "Herrchen, so geht das nicht, wir teilen doch immer!" Also schiebe ich mir die süsse Frucht selber in den Mund und gebe ihr die nächste. Diese zerkaut sie wieder mit sichtlichem Behagen. Dann bekomme erneut ich eine, dann Rakuna, so lange, bis alle gegessen sind.

 

Gute Freunde teilen, liebgewonnene Rituale muss man schon einhalten. Akitas achten da streng auf Tradition! Ich werde mir auch nie mehr zwei Trauben hintereinander in den Mund schieben, versprochen, Rakuna.