AKITA - GESCHICHTEN

Die Respektsperson

 

Kennen sie die immer wiederkehrende Szene aus den Asterix-Comics, in denen Obelix ständig versucht, vom Druiden Miraculix ein Schlückchen Zaubertrank zu erhaschen, aber von diesem mit grosser Ausdauer zurückgewiesen wird? Das hindert ihn jedoch nicht, es stets auf's Neue zu versuchen.

 

Nun, ähnliches beobachten wir jeden Tag bei unserer Tsubaki Hime. Nein, nicht dass sie so dick wie Obelix wäre - pardon Obelix, ich weiss, du bist nicht dick, nur ein wenig kräftig gebaut -, nein, aber es ist ihr, die beim Fressen ein unbeschreibliches Tempo vorlegt und somit grundsätzlich als Erste fertig ist, ein fast schon zwanghaftes Anliegen, die Näpfe der anderen leeren zu helfen.

 

Heute war Kiyos Mahlzeit das Objekt der Begierde. Er ist das genaue Gegenteil von ihr, er schnuppert bedächtig, er kostet genüsslich, er lässt sich beim Fressen Zeit, denn Kiyo ist ein wahrer Gourmet.

 

"Hime, nein!" Brav folgt Hime meinem Verbot und lässt Kiyo ungestört fressen. Natürlich kommt sie kurz darauf von der anderen Seite ganz 'unauffällig' wieder an. "Hime, nein!" Ein leidender Blick zu mir. Ich komme mir schon herzlos vor, aber sie geht weg, mit hängender Rute weg zwar ... um sich dann sofort wieder anzuschleichen.

 

"Grrrrr!" Ein tiefes, imposantes, obwohl nur ganz leises Grollen des Rüden. Hime reagiert sofort: Kopf zur Seite drehen, Rute wieder runter, einige Schritte rückwärts gehen. Dies alles bedeutet in der Hundesprache so viel wie: 'Ist ja gut, wollte dich nicht ärgern, gehört dir, alles palletti!' Sie bleibt auch weg. Respekt Kiyo!

 

Nur mich beschleicht das unangenehme Gefühl, dass Kiyos Autorität von Hime höher eingeschätzt wird als die meine. Oder scheut sie nur die nachdrückliche Konsequenz, zu der Kiyo im Gegensatz zu mir bereit wäre?