AKITA - GESCHICHTEN

Der kleine Pfiffikus

 

Die Hunde weichen mir seit heute Morgen nicht von der Seite. Ein frisch gebratenes Magret d' Oie* verströmt einen Duft im Hause, dem Mensch und Akita nicht widerstehen können. Die Enttäuschung der Caniden ist grenzenlos, als sie bemerken, dass die bösen Homoniden die Leckereien selber essen und nicht mal ein wenig abgeben. Beleidigt liegen sie in ihren Körben, Zweibeiner können ja so fürchterlich gemein sein.

 

Am Nachmittag bereite ich die Abendmahlzeit für die Vierbeiner vor. Dazu lasse ich etwas vom rohen Gänsefett aus und dünste darin das Gemüse. Einige Putenhälse liegen auf der Arbeitsplatte, die gibt es später dazu. Sabbernd sitzt die Meute in der Küche und will unbedingt probieren, sie kriegen aber noch nichts. Irgendwann stören mich die besten Hunde der Welt und ich schicke sie aus der Küche. Dieser Leid volle Blick, vor Schwäche können sie sich nur mühsam erheben, ein Bild des Jammers. Nach jedem zweiten Schritt bleiben sie stehen, sehen mich zuerst hoffnungsvoll, dann mit wachsender Verzweiflung an: "Herrchen, wie kannst Du nur so grausam sein?" Der Blick rührt an, bringt mich fast schon zum Schmelzen, aber wenn ich jetzt nachgebe habe ich für immer verloren. "Raus!" Der ausgestreckte Arm weist zur Tür, sie trollen sich, ich komme mir gemein vor.

 

Kurz darauf kommt der kleine Toshi zurück, den Hausschuh der besten aller Ehefrauen im Maul, setzt sich erwartungsvoll mich und sieht mich an.

 

Jetzt bin ich in der Zwickmühle. Meine Frau hat ihm das Apportieren beigebracht und, um das "Geben" zu verfestigen, bekommt er jedes Mal eine Belohnung, wenn er den Gegenstand abgibt. Soll ich ihre Erziehung des Jungrüden sabotieren oder meine Autorität untergraben? Ich entschliesse mich für das 'Positive Verstärken einer erwünschten Handlung'! "Donne!"** Toshi gibt mir den Schuh in die Hand und dafür will er sofort etwas. Sofort muss sein, denn sonst kann er den Zusammenhang zwischen erwünschter Handlung und positiver Verstärkung nicht mehr herstellen. Ich habe aber nichts griffbereit, ausser .... so ein Mist ....... etwas angebratenes Gänsefett. Er verschlingt es hastig, saust wieder davon und ...... nein, nicht schon wieder ..... bringt den zweiten Hausschuh, setzt sich vor mir ab und sieht mich erwartungsvoll an. Okay, ist eh' schon gleichgültig: "Donne!" Ich bekomme den Hausschuh, Toshi ein Stückchen Fett, das er wieder gierig verschlingt ..... bevor er erneut blitzschnell aus der Küche saust!

 

Ätsch! Herrchen 'haben verstanden' und schliesst die Küchentür. Richtig geraten, denn nach wenigen Augenblicken höre ich ein Winseln vor und Kratzen an der Tür! "Nein!" Das Winseln und Kratzen wird sofort beendet und, das ist das Geniale, dieser Befehl muss nicht mehr jedes Mal zur Einübung positiv verstärkt werden.

 

Toshi ist schlau, Herrchen manchmal auch.

 

Soll ich jetzt unseren akitanischen Apportierhund in seiner Kunst stoppen oder neidlos anerkennen, dass er seine Fähigkeiten schamlos ausnutzt, um mich zu konditionieren? Warum macht der Kerl das nie bei meiner Ehefrau, der Cheftrainerin? Psychologe, der er ist, hat er die schwache Stelle in der Hierarchie entdeckt und beutet mich hemmungslos aus. M....kerl, ich sollte Dich erziehen, nicht umgekehrt! Wie wird das enden, wenn der Bursche erst erwachsen ist?

 

Ich weiss es: In einer immerwährenden, vertrauensvollen Freundschaft zweier Kumpel!

 

* Gänsebrustfilet

**Gib