AKITA - GESCHICHTEN

Der Geburtstagsteddy

 

Vater kommt ziemlich aufgedreht nach Hause. „Stell' Dir vor, was ich heute gesehen habe! So etwas Goldiges gibt es nicht noch einmal." Durch geduldiges Nachfragen erfährt die Mutter, daß ihr Ehemann im Wartezimmer beim Arzt eine Hundezeitschrift durchgeblättert hat, darin hat er ein großformatiges Photo von einem rot-weißen Welpen gesehen, der aussieht wie ein lebendiger Teddybär.

 

 

Vater hat schon beschlossen, so einen süßen Welpen kaufen wir dem kleinen Sohn zum Geburtstag. Der wünscht sich zwar einen Gameboy, aber wenn Vater einen Hund schenken will! Mutter setzt sich an den Computer und findet auch prompt einen Züchter, gar nicht weit, der Welpen anbietet, darunter einen roten Rüden. Am nächsten Samstag fährt die ganze Familie, Vater, Mutter, Söhnchen und das Baby zum Züchter.

 

Die Elterntiere sind weggesperrt, sie sollen ja beim ersten Kontakt nicht stören, die restlichen drei Welpen spielen im Gras. Alle sind hingerissen, besonders von dem roten Hundebub, der die Balgereien am meisten genießt. Vater nimmt den Kleinen und legt ihn zum Knuddeln auf den Rücken, der Welpe wehrt sich lebhaft, strampelt und versucht zu schnappen. „Solch ein Temperament, der ist süß, den nehmen wir gleich mit," beschließt Papa.

 

Der Züchter versucht der Familie etwas über die Eigenarten der Rasse zu erzählen, daß sie zwar wunderschöne, wunderbare Hunde seien, aber manchmal etwas eigenwillig oder problematisch. Niemand hört ihm zu, der kleine Teddy, der noch immer strampelt und sich mit aller Macht wehrt, ist viel interessanter. Dem Züchter ist nicht wohl beim Verkauf, aber er betreibt die Zucht auch zum Broterwerb. Er gibt den Leuten noch etwas Futter für den Kleinen mit und dazu dessen Papiere. Seinen Rat wollen sie nicht.

 

Auf der Heimfahrt sitzt das Hündchen auf Frauchens Schoß. Nach einer guten Stunde Fahrt, ruft Frauchen entsetzt auf, denn so lange hält es Teddy noch nicht aus. Für den Rest der Fahrt darf ihn der Junge auf den Schoß nehmen. Zu Hause angekommen ist der Welpe müde, die gesamte Fahrt wurde er gestreichelt. Das war ja schön, aber jetzt ist er müde. Auch wenn man ihn immer wieder in seinen Korb zurücklegt, er will nicht dahin und sucht sich seinen Schlafplatz selber, gleich an der Eingangstüre. Jetzt ist er wach und hungrig. Er stürzt sich auf seine Kroketten und trinkt die Schale Milch dazu. Am nächsten Morgen ist Frauchen entsetzt, als sie die Bescherung sieht und riecht. „Du wolltest den Hund, jetzt putz auch auf!" Herrchen steht grummelnd auf, nicht einmal am Sonntag darf man ausschlafen. Frauchen geht inzwischen Gassi mit dem Kleinen. Am Nachmittag kommen die neugierigen Nachbarn, Teddy begrüssen. Nachbars Kinder sind begeistert und tatschen ihm tollpatschig auf den Kopf. Der kleine Rüde läßt es über sich ergehen, mit sichtbarem Unbehagen.

 

Teddy bleibt aber nicht klein; er wächst zu einem stattlichen Hund heran. Die Begeisterung für ihn läßt allmählich nach. Soll man heuer schon wieder auf's Skifahren verzichten, nur wegen dem Hund? Freunde bieten sich als Hundesitter an, der Skiurlaub ist gerettet - nicht ganz, denn nach drei Tagen kommt ein Anruf. Der Hund sei total bösartig und zerstörungswütig, die arme Katze säße nur noch miauend auf dem Schrank. Wieviele Vasen schon bei der Jagd zerbrochen sind! Frau stellt fest, daß Mann den Hund wollte, nicht sie. Nach einigen Diskussionen fährt Vater wütend und alleine zurück und holt den Hund bei den Freunden ab. Eigentlich wollte er den Hund....., aber was macht denn der? Die Freude bei der Begrüßung ist so überschwänglich, so stürmisch, daß er seinen Groll fast vergißt, sich bei seinen genervten Freunden entschuldigt - natürlich käme er für den Schaden auf - und nach Hause fährt.

 

Mutter ist beschäftigt, Teddy muß Babysitten. Er kaut an seinem Knochen, das Baby krabbelt auf ihn zu. Der Hund knurrt leise, das Baby krabbelt weiter. Das Knurren wird lauter und drohender, das Baby grappscht nach dem Knochen. Teddy grollt und schnappt, er berührt das Kind dabei nicht, aber die Mutter hört das Knurren, kommt ins Zimmer und sieht nur noch das Drohschnappen. Sie kreischt auf, reißt ihr Baby hoch und schreit Teddy an. Der zieht sich in seinen Korb neben der Eingangstür zurück, dreht den Kopf zur Seite und gähnt herzhaft.

 

Am Abend beschließt die Familie, den „gefährlichen" Hund nicht mehr in der Wohnung zu lassen. Er bekommt eine Hundehütte und eine Kette. Gassigehen ist inzwischen eine lästige Pflicht geworden., so schickt man den Fünfjährigen schon einmal alleine mit Teddy um den Block. Unterwegs begegnen sie dessen Lieblingsfeind; natürlich bellt der sofort los. Teddy läßt sich nicht gerne anmachen und zieht an, der Junge fällt hin, schlägt sich die Knie auf und rennt heulend heim. Mutter verbindet den Jungen, Vater sucht den Hund. Er findet ihn auf der Straße, wieder friedlich, ein Mann hält ihn an der Leine und macht Vorhaltungen, daß man doch einen großen Hund nicht mit einem kleinen Jungen losschicken dürfe. Vater weiß, daß der Mann recht hat, das macht ihn noch wütender und reißt den Hund grob mit. Der kommt wieder an die Kette.

 

Am Wochenende kommt Besuch. Die Erwachsenen sind mit Grillies und Bier beschäftigt, die Kinder spielen, Teddy döst. Die Kinder finden ihn süß, gehen auf ihn zu, sehen in seine schönen Augen zu und tatschen ihm auf den Kopf, ein leises Knurren wird ignoriert, immer wieder auf den Kopf, so lange, bis ein lautes Gebrüll ertönt. Der Junge ist nicht schwer verletzt, nur ein Kratzer, aber für die Besitzer steht fest: Der Hund ist gemeingefährlich, er muß zum Tierarzt. Der Junge heult laut los, er mag seinen Hund und stimmt den Vater endlich um.

 

Teddy wird nicht eingeschläfert, er kommt ins Tierheim. Obwohl er so ein schöner Hund ist, gilt er dort als nicht vermittelbar. Er verträgt sich nicht mit anderen Hunden und überhaupt, bei der Vorgeschichte.