AKITA - GESCHICHTEN

Akita sind gehorsam

(eine Persiflage)

Die Besitzer von Border-Collies, Deutschen Schäferhunden, Labradors werden nur ironisch grinsen, wenn ich die These postuliere: "Akitas sind gehorsam". Sie sind es wirklich, nur auf eine etwas andere Art! Was, Sie glauben das nicht? Bitte, lesen Sie selbst.

 

Akita hält, so wie er es jeden Tag tut, sein wohl verdientes Nickerchen am Fusse seines Lieblingsbaumes, auf einer kleinen Anhöhe im Garten. Der Besitzer will seinem Freund, einem etwas hektischen Halter eines Border-Collies demonstrieren, dass Akitas sehr wohl gehorsam sind. Er ruft seinen Rüden, freundlich, aber bestimmt zu sich, denn mit Gewalt erreicht man bei einem Akita nichts, überhaupt nichts.

 

Der aber schläft, wie soll er da seinen Besitzer hören? Dieser ruft nun etwas lauter, noch ein wenig lauter. Der Akita blinzelt verwundert, wer wird schon gerne ohne Not bei seiner Siesta gestört? Müde schliesst aber erst mal wieder die Augen.

 

 

Der Alpha, nicht der Herr - ein Japaner, Gefährte der Samurai, ist schliesslich niemandens Sklave - ist hocherfreut, sein Hund hat schon reagiert. Er gibt den Befehl nochmals. Akita sieht schläfrig auf, gähnt, denkt angestrengt nach, ob das denn tatsächlich ernst gemeint war; der Befehl ist glatt unsinnig. Er überlegt lange, mustert den Menschen eindringlich, will der ernsthaft, dass akita kommt, meint der wirklich ihn? Offensichtlich ja, denn dieser fixiert ihn regelrecht - der Rüde sieht beruhigend zur Seite, wird trotzdem weiter angestarrt - also dann, wenn es sein muss!

 

Der Freund steckt sich schon ungeduldig eine Beruhigungszigarette an, der Akitaner ist stolz, denn sein Hund erhebt sich, gemächlich, er will ja keine Zerrung riskieren, ausserdem ist die Angelegenheit ganz offensichtlich überhaupt nicht dringend. Schon steht Akita müde auf vier Beinen, er streckt sich, reckt sich, dehnt sich ausgiebig - Stretching ist gesund - und gähnt herzhaft.

 

Dann, er setzt sich langsam, ganz langsam in Bewegung, immer den Besitzer betrachtend, ob der es auch tatsächlich ernst meint, denn schliesslich ist das Kommando schlichtweg unsinnig, aber der Hund liebt ja seinen Menschen, darum macht er ihm auch mal eine Freude.

 

Der Freund steckt soeben mit puterrotem Kopf seine nächste Zigarette an, verkehrt herum, die Hände zittern, die Augenlider flattern, er wirkt hochgradig verstört.

 

Unterwegs kann hund ja gleich noch wichtige Dinge mal schnell mit erledigen, Büsche markieren zum Beispiel, die Amsel auf dem Ast betrachten und an den Rosensträuchern schnüffeln; schliesslich muss er als Wächter ja wissen, ob sich während seines Nickerchens etwas Wichtiges im Garten ereignet hat.

 

Aber es ist so weit zu laufen, fast 50m, eine Zwischenrast wäre angesagt, vielleicht war der Befehl ja doch nicht so ernst gemeint? Herrchen fixiert ihn aber immer noch, na gut, hund schlendert schliesslich zum Besitzer, setzt sich sogleich ermattet wieder hin und wartet Schwanz wedelnd und breit lächelnd auf ein dickes Lob.

 

copyright: K. Sinnreich
copyright: K. Sinnreich

 

Der Akitaner ist euphorisch gestimmt über die gelungene Demonstration des Gehorsams, knuddelt kräftig seinen Rüden und hält mit blitzenden Augen eine lange, elegische Lobeshymne; der Border-Collie-Typ - schliesslich hat er keine Beruhigungszigaretten mehr - verliert endgültig die Fassung und kreischt genervt und gequält los: " Nein! Aus! Schluss!", dem Herzinfarkt verdächtig nah' - hund beobachtet ihn, plötzlich hellwach und hoch konzentriert, ein befremdliches Benehmen hat der Mann, wirklich seltsam, völlig uncool!

 

Jetzt fuchtelt der zusätzlich noch mit wirrem Blick hektisch vor Herrchen herum und schimpft mit sich überschlagender Stimme weiter, das geht eindeutig zu weit. Das kann akita nicht durchgehen lassen. Blitzschnell springt er auf, stellt sich schützend vor seinen Menschen, seine entschlossene Haltung ist unmissverständlich, sein tiefes Grollen auch. Bedrohen oder gar angreifen darf seinen Kumpel niemand, akita sei davor. Das braucht ihm keiner zu befehlen, er weiss schliesslich selber, was sich gehört; notfalls, aber nur notfalls würde er das dem Hektiker auch noch deutlicher erklären, aber der hat es auch so schon kapiert.

 

Akitas können sich eben sehr klar ausdrücken!

 

 

( Sollte ein Hunde-Besitzer das Verhalten seines Akita auch nur auszugsweise wiedererkennen, so ist dies keineswegs zufällig, sondern zwangsläufig. Sollte er aber feststellen, dass nichts, aber auch gar nichts mit dem Verhalten seines Rüden übereinstimmt, dann wird das daran liegen, dass er keinen Akita hat. )