GESCHICHTEN

erzählt von Heinz Penndorf

im Auftrag von Daiunme

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Daiunme hilft im Garten

Eine Persiflage

Nach langem Matschwetter scheint endlich wieder die Sonne. Höchste Zeit, dass man die liegen gebliebene Arbeit draussen erledigt. Herrchen holt sein Gartengerät und, weil die Sonne scheint, seinen Gärtnerhut. Daiunme sitzt in der offenen Küchentür und beobachtet alles höchst interessiert. Ich gehe in Richtung Gemüsegarten und überlege, womit ich beginnen soll.

"Uuuuups!" Nur, weil ich beim Essen immer so gut aufpasse, dass ich ja kein Gewicht verliere, bin ich noch auf den Füssen. Nach dem Impulserhaltungssatz müsste nämlich der Gesamtimpuls aus einem bedächtig gehenden Menschen und einem aus zwei Stufen Höhe seitwärts schnell anfliegenden Junghund nach dem Zusamenprall in diesem Falle zu einer heftigen und starken Seitwärtsbewegung führen, die bei einem Spargeltarzan auf Grund der Newtonschen Gravitationsgesetze und des über die Auflagefläche hinaus versetzten Schwerpunktes durchaus zu einer abrupten Abwärtsbewegung führen könnte, landläufig auch Sturz genannt. Aber, zum Glück ist Herrchen ja ein äusserst umsichtiger Esser und kann deshalb den Aufprall mühelos abfangen, indem er geistesgegenwärtig zwei Ausweichschritte macht und am Zaun des Hühnergeheges vollends zum sicheren Stand kommt, wobei die Elastizität des Maschendrahtzaunes diesem Härtetest mühelos standhält, nur die Hühner in blankem Entsetzen über den heimtückischen Angriff laut gackernd die Flucht ergreifen. Rakuna wird ganz hektisch und verwünscht tief im Inneren den hinderlichen Zaun.

Was war geschehen? Daiunme sah mich an der offenen Küchentüre vorbeigehen und meinte, jetzt wäre genau die richtige Zeit zum Spielen. Sie sprang mir also aus vollem Lauf von der erhöhten Terasse in die Seite, in ihrer Sprache eine Spielaufforderung zum anschliessendem Wettrennen. Sie fand ihre Idee offensichtlich ganz toll, denn sie beugte sich gleich nach ihrer Landung noch vor mir ab, spreizte die Vorderbeine und sah mich, stolz über den gelungenen "Angriff", erwartungsvoll an, mit ein wenig Respekt in ihrem Blick, denn Samouraï hätte nach einem solchen Aufprall einen Purzelbaum geschlagen. Herrchen ist schon ein Super-Tonton*, sehr stabil! Ich musste sie trotzdem enttäuschen, denn für ein wilde Jagd durch den Garten bin ich eindeutig zu langsam, und ausserdem, die Gartenarbeit wartet. Ernsthaft böse sein kann ich ihr nicht.

Ich reche die Beete und setze den Lauch ein. Welch tolle Ideen die Kleine doch hat, sie zieht die Pflanzen wieder heraus und rennt mit ihnen davon. "Nein!". Sie hört wirklich auf damit - gehorsames Hundchen - und beobachtet mich in Lauerhaltung. Ein Windstoss weht meinen Gärtnerhut fort. Das war das Signal! Blitzschnell packt sie ihn und saust wie der Blitz weg. Rakuna stellt sich ihr in den Weg, will auch eine Kopfbedeckung haben. Gut so, denn die Kleine ist schneller als ich. Hier ist es ein Nachteil, wenn man bei Essen immer so gut aufpasst. Die Grosse bekommt den Hut auch, fast alles. Die brave Rakuna überlässt ihn mir aber grosszügig, lieber Hund, und Daiunme flüchtet glücklich mit den erbeuteten Resten. Na ja! Ein wenig Frischluft auf dem Kopf ist ja auch nicht schlecht.

Das gibt es nicht! Frauchen steht in der Küchentür und amüsiert sich köstlich! Über mich! Gemeinheit!

Schon wieder hat das goldige Hundchen eine blendende Idee. Bei einem so grossen Gemüsegarten wie dem unsrigen macht es Sinn, dass man fein säuberlich hinter jede Saatreihe ein Schildchen steckt, auf dem steht, was man angesät hat. Damit mir nicht langweilig wird, zieht Daiunme eines nach dem anderen wieder heraus und verteilt sie im Garten. Aufseufzend sammle ich sie wieder auf und hoffe, dass ich die Markierungen wieder an die richtige Stelle setze. Welpi beobachtet mich aufmerksam dabei und hält mich für einen grossen Spielverderber.

"Nein!" Was macht die nervige Kleine denn jetzt schon wieder? Sie buddelt blitzschnell im Kräuterbeet einen Thymianstock aus und rennt triumphierend mit ihm im Fang davon, kommt aber auf Zuruf zurück und springt vergnügt an mir hoch - igitt ist die dreckig! Da hilft nur noch waschen! Zuerst befreie sie mit einem nassen Tuch von dem gröbsten Schmutz, dann ist eine etwas gründlichere Reinigung mit mehr Wasser fällig. Das mag sie gar nicht und zappelt, wobei ich noch mehr Schlamm abbekomme. Meine Kleidung kann ich jetzt in die Waschmaschine stecken! Sogar meine Brille ist schlammverspritzt!

Nichts als Ärger hat man mit dem M...vieh ! Weshalb nur haben wir uns noch einen dritten Hund angeschafft? War eine blöde Idee!

Ich setze die Kleine ab, knie mich hin um sie abzutrocknen und was macht sie? Sie kuschelt sich, triefnass wie sie ist, kräftig an mich, leckt liebevoll die Hand, legt die Ohren an, dreht den Kopf weg und ist das zärtlichste und verschmusteste Akitalein, das man sich wünschen kann! Ihr treuer, hingebungsvoll schmachtender Blick lässt Herrchen völlig dahinschmelzen. Er kommt allerdings unsanft wieder in die Wirklichkeit zurück, als Daiunme sich vor ihm trocken schüttelt. Aber was soll's? Ist doch nicht weiter schlimm! Ein wenig Wasser, na und?

Nichts als reine Freude hat man mit dem lieben, drolligen, süssen Welpen! Deshalb haben wir uns einen dritten Hund angeschafft! Genau deshalb! War eine prima Idee!

*Tonton, frz., fam. Wort für Onkel

copyright: H. Penndorf

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